Lucy van der Tas ist seit mehr als vier Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen bei der Europäischen Weltraumorganisation tätig, wo sie derzeit als Head of Talent Acquisition fungiert. In diesem Interview gibt sie Einblicke in das Recruiting für eine hoch spezialisierte Organisation – von schwer zu besetzenden Stellen und groß angelegten Einstellungsinitiativen bis hin zur anhaltenden Bedeutung menschlicher Urteilskraft in einer von KI geprägten Welt.

Was unterscheidet die ESA als Organisation von anderen Arbeitgebern?
Wir sind eine zwischenstaatliche Organisation wie die EU, die UNO oder die NATO. Das bedeutet, dass wir nach unserem eigenen Vertragswerk arbeiten und nicht nach nationalem Arbeitsrecht. Darüber hinaus legen unsere Mitgliedstaaten die Größe unserer Belegschaft fest, was bedeutet, dass wir sehr selektiv und strategisch rekrutieren müssen.
Welche Stellen sind derzeit am schwierigsten zu besetzen?
Als zwischenstaatliche Organisation können wir nur Staatsangehörige unserer Mitgliedstaaten einstellen. Am schwierigsten zu besetzen sind Stellen für Spezialisten und Spezialistinnen in den Bereichen Satellitennavigation, sichere Konnektivität, Payload Performance und IT. Viele dieser Stellen sind hoch spezialisiert und eng mit dem Raumfahrtsektor verbunden. Es ist eine besondere Herausforderung, da Fachleute in IT- oder Business-Support-Funktionen die Raumfahrtorganisation nicht immer als potenziellen Arbeitgeber in Betracht ziehen.
Wie erreichen und überzeugen Sie diese Zielgruppen?
Viele Kandidatinnen und Kandidaten finden uns über unsere Website. Aufgrund einer großen Pensionierungswelle, die 2020 begann und sich bis ins nächste Jahrzehnt erstrecken wird, befinden wir uns seit mehreren Jahren in einer intensiven Rekrutierungsphase. Rund 45 Prozent unserer Belegschaft werden in diesem Zeitraum in den Ruhestand gehen.
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