Die absolute Nummer eins ist die Ansprechperson

Bewerbungsprozess 01.01.1970

Die beiden Recruiting-Expertinnen Agnes Koller und Julia Hauska gewähren uns hier einen Einblick in die BEST-RECRUITERS-Studien , für die sie Jahr für Jahr das Datenmaterial der etwa 1300 umsatz- und mitarbeiterstärksten Unternehmen im DACH-Raum analysieren. Warum entscheiden sich Kandidaten für explizit eine Stellenanzeige? Wie können Unternehmen ihre Anzeigen attraktiver gestalten? Auf diese und weitere Fragen geben Agnes Koller und Julia Hauska wissenschaftlich fundierte Antworten.
Agnes Koller ist Head of Scientific Research bei career Institut & Verlag und lehrt Recruiting im HRM-Masterstudiengang der FH Burgenland. Julia Hauska ist Geschäftsleiterin der B2B Insider GmbH und Veranstalterin von Online-Kongressen zu den Themen HR und Marketing.

Unsere zwei heutigen Gäste wissen wie kaum ein anderer, wie Bewerber und Unternehmen via Stellenanzeige nicht selten aneinander vorbeikommunizieren. Seit vielen Jahren zeichnen Agnes Koller und Julia Hauska für die BEST-RECRUITERS-Studie verantwortlich. Die Stellenanzeige ist dabei zu einem ihrer Schlüsselthemen geworden. Welche Rolle spielt beim Bewerbungsprozess nicht nur der Kopf, sondern auch der Bauch? Wie gehen Recruiter an die Kandidatensuche heran? „Das ist eine total spannende Geschichte“, sagt Agnes Koller, „wir wollen es einfach ganz genau wissen und das Thema in der Tiefe erforschen“.

Im Rahmen einer kürzlich durchgeführten Studie legten sie Probanden zwei nahezu identische Stellenanzeigen vor. Eine mit einem persönlichen Ansprechpartner, die andere ohne. „Das Ergebnis an sich war gar nicht so überraschend“, sagt Agnes Koller. Denn die meisten Probanden entschieden sich intuitiv für die Anzeige mit der namentlich erwähnten Ansprechperson. „Aber dass sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Talent für eine Stellenanzeige entscheidet, gleich um bis zu 75 Prozent erhöht, wenn ein Ansprechpartner angegeben ist, das hat mich schon überrascht.“

Ein konkreter Ansprechpartner, vielleicht sogar mit Foto und seiner vielleicht sogar seinen Social-Media-Accounts, vermittele ein Gefühl der Sicherheit, sagt Agnes Koller. Beim potentiellen Bewerber käme die Botschaft an, „hier ist der Kommunikationskanal offen, und das sorgt für ein attraktives Bild des Unternehmens“. Agnes Koller rät Recruitern daher, verstärkt der Aussagekraft von Bildern und Fotos zu vertrauen. In deutschen HR-Abteilungen ist diese Nachricht längst noch nicht angekommen. „In etwa 20 Prozent der umsatz- und mitarbeiterstärksten Firmen fehlt in Stellenanzeigen noch jegliches Bildmaterial“, sagt Agnes Koller.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie gehen Unternehmen mit dem persönlichen Social-Media-Account des Recruiters beim Angeln nach Talenten langfristig um. „Das Problem ist, wenn der Kontakt über Xing oder LinkedIn läuft, dann verliert die Firma bei Weggang des Recruiters zudem den Zugang zu Talenten“, gibt Julia Hauska zu bedenken. Denn nicht selten bleiben Personaler und Kandidat miteinander verknüpft, auch wenn es nicht gleich zu einer Anstellung kommt. „Es kann ja sein, dass lediglich der Zeitpunkt gerade nicht passte“, sagt Agnes Koller. Gerade kleinen Unternehmen böte sich durch Social Media die Möglichkeit, einen Talente-Pool aufzubauen.

Inhaltlich raten Agnes Koller und Julia Hauska zu mehr Individualität beim Aufsetzen der Stellenanzeigen. „Es stehen fast immer dieselben Adjektive drin“, klagt Julia Hauska, „dynamisch, teamfähig, herausfordernd…“. Dieser nüchterne und lapidare Stil rufe bei potentiellen Kandidaten keine Begeisterung hervor. Vielmehr sollte eine gut durchdachte Stellenanzeige Leidenschaft hervorrufen. „Die Leute sollen das geil finden und schon in den Startlöchern scharren “, sagt Agnes Koller.

Das ausführliche Interview und den Podcast mit Agnes Koller und Julia Hauska gibt es kostenlos auf hrm.de oder unter podcast.hrm.de.

Reinhard Adel

HRM HACKS PODCAST

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