Sind meine Mitarbeiter Influencer?

Employer Branding 27.08.2018

Die hohe Messbarkeit sowie Personalisierbarkeit von Werbemaßnahmen auf sozialen Medien hat zu einer Verlagerung der Marketing-Budgets weg von klassischer Print- und Fernsehwerbung hin zu Facebook, Instagram, LinkedIn und Co. geführt. In den letzten Jahren kristallisiert sich jedoch heraus, dass Nutzer sozialer Medien nicht an einer reinen Präsentation von Produkten interessiert sind: Wie oft geben wir etwa einer Hautcreme rein aufgrund ihrer Qualitäten oder Produktpräsentation eine “Like”? Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn ein bekanntes Gesicht, mit dem wir uns vielleicht sogar noch identifizieren können, diese bewirbt. Man kann also mit großer Gewissheit sagen, dass Menschen nicht Unternehmen folgen, sondern anderen Menschen. Jene, die diese Hebelwirkung besonders effektiv nutzen, nennen wir heute Influencer. Egal, ob es sich dabei um “Privatpersonen”, weltberühmte Sportler oder Reality-Stars handelt – Influencer erhalten teils Summen in Millionenhöhe dafür, Produkte und Dienstleistungen auf ihren Social-Media-Profilen zu bewerben. Ihr Erfolg ist schnell zu erklären: Wenn man etwa in einer neuen Stadt nach einem netten Ort zum Mittagessen sucht, vertraut man in der Regelauch auf Empfehlungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis oder Bewertungen auf entsprechenden Plattformen, anstatt sich in das erstbeste Restaurant zu setzen. Im Influencer-Kontext ist das dann die Bewerbung bzw. Empfehlung durch jemanden, mit dem ich mich identifizieren kann oder den ich bewundere. Empfehlungen beeinflussen also unsere Kaufentscheidungen weit nachhaltiger als Anzeigen in Zeitungen oder etwa TV-Spots. Diese Dynamik ist nicht nur bei der Wahl der Hautcreme ersichtlich, sondern auch weittragenderen Entscheidungen wie die Wahl des nächsten Jobs. Als Unternehmen, die sich stets auf der Suche nach – oder vielmehr im Kampf um – den nächsten passenden Mitarbeiter befinden, sollten wir uns also unbedingt die Frage stellen, welche Rolle Empfehlungen und somit auch Influencer im Rekrutierungsprozess spielen können. Dies gilt besonders für Unternehmen, die nicht in Ballungszentren angesiedelt sind oder auch jene, deren Arbeitgebermarken noch keine große öffentliche Bekanntheit genießen. Was bedeutet Influencer Recruiting im eigenen Unternehmen? Das Gute daran: Die Influencer müssen nicht erst gefunden werden, denn sie befinden sich bereits im Unternehmen und ihre Empfehlungen werden mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit keine Millionenbeträge kosten. Hier sind die eigenen Mitarbeiter gemeint, die Sie durch Empfehlungen dabei unterstützen können, auf dem Arbeitsmarkt herauszustechen. Es ist nicht falsch, hier an ein klassisches Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter Programm zu denken, bei denen Angestellte für das Empfehlen von Freunden, Bekannten oder ehemaligen Kollegen etwa Geldprämien oder auch nicht monetäre Boni, wie zusätzliche Urlaubstage erhalten. Was nach einer klaren Win-win-Situation klingt, verläuft sich jedoch oft schnell im Sand, da die anfängliche Motivation und der Tatendrang der Mitarbeiter schnell abebbt. Der Grund dafür liegt darin, dass jene Mitarbeiter, die Empfehlungen aussprechen, selbst bei einer erfolgreichen Einstellung meistens erst nach überstandener Probezeit ihre Prämie erhalten. Das dauert lange und resultiert in einer starken Abnahme von Empfehlungen, bis hin zu einem kompletten Ende des Empfehlungsprogramms – oftmals nach nicht mal zwei Jahren. Beim Influencer Recruiting liegt der Unterschied im Vergleich zu klassischen Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter Programmen darin, dass die eigenen Mitarbeiter langfristig als glaubwürdige Botschafter auf dem Arbeitsmarkt fungieren. Damit das auch in der Praxis funktioniert, müssen Arbeitgeber neue Anreizmodelle entwickeln. Das Fundament dafür sind natürlich zufriedene Mitarbeiter, denn wer mit seinem eigenen Arbeitsumfeld nicht zufrieden ist, wird kaum seine Freunde in dieselbe Situation bringen wollen. Doch das allein garantiert noch lange nicht, dass meine Mitarbeiter tatsächlich zu Recruiting Influencern werden. Langfristige Erfolge sichern Ein Schlüssel zur langfristigen Motivation ist kontinuierliche Wertschätzung. Digitale Tools unterstützen uns dabei zu messen, welcher Mitarbeiter die meisten Ausschreibungen teilt, Bewerbungen oder sogar Einstellungen durch seine Empfehlungsarbeit reinholt. Für diese Arbeit und Mühe möchten Mitarbeiter Anerkennung erhalten. Erfahrungsgemäß müssen dies keine großen Summen sein. Ein zusätzlicher Urlaubstag oder Geschenkgutschein für den aktivsten Mitarbeiter des jeweiligen Monats genügen oft, um die Motivation der Mitarbeiter kontinuierlich zu halten. Für Recruiter liegen die Vorteile des Influencer Recruitings ebenfalls klar auf der Hand: Sie erhöhen nicht nur die Reichweite der Stellenangebote enorm, sondern machen diese glaubhafter und somit attraktiver. Außerdem sorgen sie ohne weiteren Mehraufwand für eine gesteigerte Präsenz der Arbeitgebermarke auf sozialen Medien. Doch das allerwichtigste: Jede Einstellung über einen Influencer spart erhebliche zeitliche und monetäre Ressourcen, die bei anderen Recruitingkanälen anfallen würden. Aber auch innerhalb der eigenen Organisation zeigen Influencer eine positive Wirkung, da Ihre Empfehlungstätigkeiten das Gefühl der Zusammengehörigkeit im Unternehmen stärkt. Die Mitarbeiter merken, wie sie die Zukunft ihres Unternehmens aktiv mitgestalten können. Natürlich ist auch eine Portion Realismus angebracht: Es wird nie möglich sein, sämtliche Mitarbeiter im Unternehmen zu Influencern machen. Hierzu benötigt es ein allgemeines Interesse sowie Affinität für digitale Medien und Trends. Dementsprechend lassen sich vor allem jene Mitarbeitergruppen multiplizieren, die zumindest ein gewisses Interesse an Digitalisierung an den Tag legen. Doch genau so rüsten sich Unternehmen für die Herausforderungen der kommenden Jahre.   Weitere Informationen findet Ihr auf https://www.firstbird.com/de/.

Arnim Wahls

Zusammen mit Matthias Wolf und Daniel Winter gründete Arnim Wahls Firstbird. Das digitale Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programm ermöglicht es Unternehmen, Kandidaten über persönliche...

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