Warum Bildung großartig ist
Bildung ist eine der wertvollsten Investitionen, die eine Gesellschaft und ein Individuum tätigen können. Sie verbessert nicht nur das Wissen und die Fähigkeiten eines Menschen, sondern erhöht auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich.
Gerade ein Hochschulabschluss bietet den planbarsten sozialen Aufstieg, weshalb es weltweit inzwischen mehr als 240 Millionen Studierende gibt – ein enormes Wachstum! Oder anders ausgedrückt: Jedes weitere Bildungsjahres führt kausal zu im Durchschnitt 6 % mehr Gehalt.
Aber warum ist das so? Bildung erfüllt zwei zentrale Funktionen:
- Aufbau von Humankapital: Menschen erwerben in ihrer Ausbildung wertvolle Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sie produktiver machen. Neudeutsch: Skills!
- Signalwirkung: Ein Abschluss zeigt Arbeitgebern, dass jemand in der Lage ist, ein anspruchsvolles Studium erfolgreich zu durchlaufen – unabhängig davon, was konkret gelernt wurde. Dies weist auf bestimmte Eigenschaften, wie kognitive Fähigkeiten oder Gewissenhaftigkeit, hin.
Warum Noten nicht großartig sind
Trotz der vielen Vorteile von Bildung gibt es ein großes Problem: Noten! Meist wird diese Diskussion emotional geführt, was wenig zielführend ist. Unabhängig davon, ob man also gerne Noten erhält, muss Folgendes festgestellt werden: Noten sind keine verlässliche Messgröße für Kompetenz oder Engagement.
Warum ist das so? Noten machen nur innerhalb eines Kontexts Sinn – also, wenn alle Personen die gleiche Prüfung schreiben. Sobald jedoch Vergleiche zwischen Hochschulen oder Studienfächern angestellt werden, entstehen massive Ungenauigkeiten. Unterschiedliche Notenstandards, Bewertungspraktiken, Lehrpläne und Prüfungsformate führen dazu, dass eine Note in einem Fach oder einer Hochschule nicht dasselbe aussagt wie dieselbe Note an einer anderen Institution oder in einem anderen Studiengang.
Genau dies zeigt sich auch in der Wissenschaft. In großen Meta-Analysen, bei denen Noten verschiedener Institutionen und Fachrichtungen verglichen werden, besteht nur ein wirklich schwacher Zusammenhang zwischen Noten und dem späteren Abschneiden auf dem Arbeitsmarkt (2% Varianzaufklärung / r = 0.14 in French et al., 2015). Studien, die sich lediglich eine homogene Studierendengruppe angucken, zum Beispiel nur Studierende einer bestimmten Universität, finden deutlich höhere Zusammenhänge zwischen der Note und dem späteren Arbeitsmarkterfolg gemessen (20% Varianzaufklärung / r = 0.45 in Zou, Zhang & Zhou, 2022).
In der Theorie sind Bildungsleistungen also ein wirklich guter Indikator für zukünftige Leistungen. Das macht ja auch Sinn, da es sich vor allem um eine Reihe von Tests und Bewertungen handelt. Diese testen zwar weniger klar Konstrukte ab als eignungsdiagnostische Verfahren, haben aber auch eine Reihe von Vorteilen, da es sich um langfristige Leistungen handelt und auch motivationale Aspekte eine Rolle spielen. Da Unternehmen in der Praxis allerdings Bewerbungen aus vielen verschiedenen Studienkontexten erhalten, beinhalten Noten eben auch sehr viel Noise. Mit Noise beschreibt man in der Statistik Schwankungen oder Störungen in den Daten, die keinen systematischen Ursprung haben, sondern von zufälligen Faktoren verursacht werden. Das treibt die Korrelation schnell in Richtung Null und macht Noten bei den meisten Auswahlentscheidungen unbrauchbar.
Wie werden wir die Noise los?
Zu genau dieser Frage haben wir vor 10 Jahren ein Forschungsprojekt an der Universität Bonn begonnen. Über die Zeit ist hieraus unser Unternehmen entstanden. Mit dem case Score ordnen wir Bildungsabschlüsse datenbasiert in den Kontext ein, reduzieren die Noise und machen das wirkliche Signal sichtbar. Aber, bitte immer kritisch bleiben und keinem Dienstleister einfach so vertrauen, nur weil da ein paar einen Doktortitel haben. Es folgt eine kurze Erklärung zum case Score. Wer noch tiefer einsteigen möchte; die Ergebnisse aus mehr als 30 Validierungsstudien haben wir aber ebenfalls publiziert.
- Lokaler Vergleich im Studiengang: Wir sammeln weltweit Notendaten, um einordnen zu können, wie in einem bestimmten Studiengang an einer bestimmten Hochschule benotet wurde. Je nach Kontext kann ich mit einer 2,0 zu den Besten oder den Schlechtesten gehören. International wird dieses Problem durch unterschiedliche Notensysteme verstärkt. All diese Effekte rechnen wir raus.
- Vergleich zwischen Studienkontexten: Nicht alle Studiengänge sind gleich. Manche sind sehr kompetitiv, andere eher entspannt. Deswegen nutzen wir im zweiten Schritt Leistungsdaten, um zwischen Studienkontexten zu vergleichen.
- Validität: Wir können zeigen, dass durch diese datengestützte Korrektur der Zusammenhang zwischen Bildungsleistung (nun gemessen mit dem case Score) und dem späteren Abschneiden im Job deutlich steigt. Leistungen aus unterschiedlichen Studienkontexten werden vergleichbar. Das Studium wird so zum längsten Assessment Center der Welt (Für Daten-Nerds mit zu wenig Zeit, um unsere oben verlinkten Studien zu lesen: Die Korrelation steigt – sehr vergleichbar zu Zou, Zhang & Zhou, 2022 – auf r = 0.4, wenn man anstatt Noten den case Score nutzt.)
Noise vs. Bias: Wo liegt der Unterschied?
Wir haben viel über Noise gesprochen. Aber ist das eigentliche Problem im Recruiting nicht Bias? Die Antwort ist ein klassisches „Ja, aber!“. Klären wir also erstmal die Begriffe
- Noise (Rauschen) bedeutet, dass eine Bewertung inkonsistent ist und durch zufällige Faktoren beeinflusst wird.
- Bias (Verzerrung) tritt auf, wenn systematische Ungleichbehandlungen stattfinden, z. B. wenn Frauen oder ethnische Minderheiten schlechter bewertet werden.
Die beiden Konzepte kann man am besten Anhand der Grafik mit der Dartscheiben verstehen. Beides führt zu schlechten Einstellungsentscheidungen – im Fall von Bias gehen diese zu Lasten bestimmter Gruppen. Wie schneiden Bildungsleistungen also mit Blick auf Bias ab? Im Vergleich zu subjektiven Metriken, wie CV-Screenings oder Interviews, weisen Bildungsleistungen deutlich weniger Bias auf. Natürlich läuft im Bildungssystem bei weitem nicht alles perfekt, aber die großen Unterschiede, zum Beispiel nach Geschlecht, entstehen erst mit zunehmender Zeit am Arbeitsmarkt. Bildung ist sehr noisy, aber nicht biased!
Fazit
Bildung bleibt eine der wichtigsten Säulen für beruflichen Erfolg und gesellschaftlichen Fortschritt. Da immer mehr Personen einen Hochschulabschluss erlangen, sollten wir aber endlich aufhören binär im Sinne von „Abschluss gut“ / „kein Abschluss schlecht“ darüber nachzudenken. Das ist unfair gegenüber Personen ohne Bildungsabschluss, schließlich gibt es viele Wege, um Erfolg unter Beweis zu stellen. Es wird aber auch Menschen mit Studienabschluss nicht gerecht, wenn man alle in einen Topf schmeißt. Wer studiert investiert über Jahre Zeit und Geld und wir sollten uns genauer angucken, was dort geleistet wurde. Dafür eignen sich Noten nicht, da diese zu „noisy“ sind. Wir helfen Euch gerne, diese Noise loszuwerden und bessere und fairere Entscheidungen zu treffen. Auf der TalentPro trefft ihr uns an Stand E.10.