Dieser Artikel ist Teil der Kolumne des TALENTpro Newsletters
In der Seefahrt gibt es einen Begriff, der anfangs seltsam klingt, aber im Gedächtnis bleibt, sobald man ihn einmal gehört hat: Vorholen. Gemeint ist ein ganz spezielles Manöver bei dem die Besatzung ein Tau ans Ufer wirft und sich daran Stück für Stück heranzieht. Diese Technik wird vor allem bei engen Verhältnissen, bei Situationen, in denen der Motor allein nicht weiterhilft, angewendet. Auch im Recruiting gibt es ein Vorholen. Ein Entlanghangeln von Begriff zu Begriff, eine andere Art Tau, das wir uns selbst zugeworfen haben – und an dem wir uns seither fast zwanghaft festhalten. Es nennt sich eigentlich Fachsprache.
Es ist im Grunde auch nicht verwerflich eine eigene Sprache, eine Fachsprache zu haben, denn jeder Beruf, jede Disziplin die ernst genommen werden möchte entwickelt ihre eigene Terminologie. So spricht die Zimmerin von First und Pfette und der Softwareentwickler von Syntax und Deployment. Fachsprache verdichtet Komplexes, stellt Präzision her und ermöglicht Handlung. Sie ist kein Distinktionsgehabe, sie ist Werkzeug. Mit Blick auf das Recruiting klingt das dann so: Active Sourcing, Candidate Journey, Cultural Fit, Employer Value Proposition, Talent Pipeline, Time to Hire, Candidate Centricity, Skill Based Hiring, Predictive Hiring, Mindset Shift, Candidate Experience Design. Die Liste ließe sich fast unendlich lange fortschreiben und sie wird es fast von alleine tun. Denn mit jeder Konferenz, jedem Whitepaper und jedem LinkedIn Beitrag der mit er mit „Die Zukunft des Recruitings“ beginnt werden wieder neue Begriffe entdeckt und in der...